Das Qualifizierungschancengesetz – Förderung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Mit dem am 1. Januar 2019 in Kraft getretenem Qualifizierungschancengesetz sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Sachen Weiterbildung unterstützt werden. Wir zeigen, was es mit dem neuen Qualifizierungschancengesetz auf sich hat und erläutern die Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Außerdem gehen wir auf die Fördervoraussetzungen ein, erklären, wovon die Höhe der Zuschüsse abhängt und zeigen, wie man bei einem Förder-Wunsch am besten vorgeht.

Was ist das Qualifizierungschancengesetz?

Das Qualifizierungschancengesetz setzt sich aus drei Kernelementen zusammen:

  1. Weiterbildungsförderung von Arbeitnehmern und Anspruch von Mitarbeitern auf Weiterbildungsberatung
  2. Erleichterter Zugang zum Arbeitslosengeld
  3. Senkung des Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung

Erstes Ziel des Qualifizierungschancengesetzes ist, heutige Arbeitnehmer auf die digitalisierte Arbeitswelt der Zukunft – die Arbeitswelt 4.0 – vorzubereiten. Hintergrund dabei: Digitalisierung verändert nicht nur das gesellschaftliche Leben – auch die Arbeitswelt ist von weitreichenden Änderungen betroffen. Um Mitarbeiter bei diesem Wandel zu unterstützen, stellen Weiterbildungen eine der besten Möglichkeiten dar. Damit die Weiterbildungskosten jedoch nicht zu 100 % von Arbeitgebern übernommen werden müssen, gibt es eine Weiterbildungsförderung über das  Qualifizierungschancengesetz. Diese setzt sich aus einem Zuschuss zu den Weiterbildungskosten sowie Zuschüssen zum Arbeitsentgelt während der Weiterbildung zusammen. Damit sollen zusätzliche Anreize für Weiterbildungen geschaffen werden. Denn berufliche Weiterqualifizierung wird nicht in jedem Bundesland ernst genommen. Im Schnitt bilden sich nur etwa 12,2 Prozent aller Arbeitnehmer über 25 Jahren weiter. Diese unzureichende Nutzung von Weiterbildungsmöglichkeiten soll sich mit dem Qualifizierungschancengesetz ändern.

Zweites Kernelement des Qualifizierungschancengesetzes ist ein erleichterter Zugang zum Arbeitslosengeld. Galt bislang eine Rahmenfrist von zwei Jahren, liegt diese nun bei 30 Monaten. Die Mindestversicherungszeit bleibt jedoch weiterhin bei zwölf Monaten. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels am Arbeitsmarkt sollen Arbeitnehmer dadurch einen besseren Schutz in der Arbeitslosenversicherung erhalten. 

Dritter Punkt des Qualifizierungschancengesetzes ist die Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung. Ab 2019 wurde er von 3,0 auf 2,5 Prozent gesenkt. Vorgesehen ist eine Senkung um 0,4 Prozentpunkte. Weitere 0,1 Prozentpunkte sollen befristet bis 2022 reduziert werden. Insgesamt bedeutet dies für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine Entlastung um knapp sechs Milliarden Euro pro Jahr.

Zielgruppe: Wer profitiert vom Qualifizierungschancengesetz?

Die Weiterbildungsförderung über das Qualifizierungschancengesetz richtet sich an folgenden Personenkreis:

  • aktuell Beschäftigte – unabhängig ihrer Qualifikation, ihres Lebensalters und der Betriebsgröße
  • Beschäftigte, die innerhalb des Unternehmens umsteigen oder sich weiterentwickeln möchten
  • Beschäftigte, die in einem Engpassberuf mit Fachkräftemangel arbeiten
  • Beschäftigte, die vom Strukturwandel betroffen sind

Diese Vorteile bringt das Qualifizierungschancengesetz

Eine Besonderheit beim Qualifizierungschancengesetz: Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer profitieren von den jeweiligen Regelungen. Es handelt sich also um eine Win-win-Situation.

Vorteile für Arbeitnehmer:

  • bessere Chancen auf eine bezahlte Weiterbildung
  • keinerlei Kosten
  • keine finanziellen Einbußen dank Lohnfortzahlung
  • Erweiterung von Kompetenzen und Kenntnissen
  • Arbeitsplatzsicherung vor dem Hintergrund des Strukturwandels
  • erhebliche Erhöhung der Arbeitsmarktattraktivität

Vorteile für Arbeitgeber:

  • reibungsloserer Ablauf im Arbeitsalltag
  • Erhöhung der Attraktivität als Arbeitgeber
  • finanzielle Entlastung durch hohe staatliche Zuschüsse
  • besser ausgebildete Mitarbeiter

Welche Voraussetzungen gelten für die Weiterbildungsförderung?

Um eine Weiterbildungsförderung nach dem Qualifizierungschancengesetz zu erhalten, müssen Arbeitgeber darauf achten, dass folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  1. Während der Weiterbildung werden dem Arbeitnehmer Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt, die nicht ausschließlich arbeitsplatzbezogen sind und über eine Anpassungsfortbildung hinausgehen. Stattdessen soll die Weiterbildung auf die zukünftigen Anforderungen der Digitalisierung vorbereiten.
  2. Der Mitarbeiter hat seinen Berufsabschluss vor mindestens vier Jahren erworben
  3. In den letzten vier Jahren hat der Mitarbeiter keine Weiterbildungsförderung nach dem Qualifizierungschancengesetz erhalten.
  4. Die gewählte Weiterbildung muss einen Mindestumfang von 160 Stunden – entsprechend vier Wochen – haben.
  5. Es muss sich um eine zertifizierte Weiterbildungsmaßnahme handeln. Diese muss bei einem zugelassenen Träger durchgeführt werden. Ob die Maßnahme innerhalb oder außerhalb des Unternehmens stattfindet, ist hingegen nicht entscheidend.

Wie hoch sind die Zuschüsse?

Das Qualifizierungschancengesetz sieht eine zweifache Förderung von Weiterbildungen vor:

  1. Zuschüsse zu den Weiterbildungskosten
  2. Zuschüsse zur Lohnfortzahlung während der Weiterbildung

Wie hoch die jeweiligen Zuschüsse ausfallen, hängt von der Unternehmensgröße ab. Dabei gilt: Kleinere Unternehmen sind besonders förderfähig und erhalten in der Regel höhere Zuschüsse als Großunternehmen. Die Zuschusshöhe gliedert sich wie folgt:

  • Zuschüsse für Kleinunternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern:

bis zu 100 % Übernahme der Weiterbildungskosten

bis zu 75 % Förderung des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung

  • Zuschüsse für mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern:

bis zu 150 % Übernahme der Weiterbildungskosten

bis zu 5o % Förderung des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung

  • Zuschüsse für größere Unternehmen mit bis zu 2.500 Mitarbeitern:

bis zu 25 % Übernahme der Weiterbildungskosten

bis zu 25 % Förderung des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung

  • Zuschüsse für Großunternehmen mit mehr als 2.500 Mitarbeitern:

bis zu 15 % Übernahme der Weiterbildungskosten

bis zu 25 % Förderung des Arbeitsentgelts während der Weiterbildung

Sonderregelungen gibt es für Mitarbeiter ab 45 Jahren sowie für schwerbehinderte Angestellte. Kleinstunternehmen sowie kleine und mittelständische Unternehmen können für sie bis zu 100 % der Weiterbildungskosten erhalten. In Großunternehmen ist eine Förderung von 20 % möglich, sofern Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge mit Qualifizierungselementen vorliegen.

Auch bei den Lohnkostenzuschüssen gibt es eine Sonderregelung: Unabhängig von der Unternehmensgröße kann das Arbeitsentgelt mit bis zu 100 % bezuschusst werden, wenn der Mitarbeiter keinen Berufsabschluss besitzt und es sich um eine berufsabschlussbezogene Weiterbildung handelt.

Checkliste: In 5 Schritten zur Weiterbildungsförderung

Um die Weiterbildungsförderung zu erhalten, haben wir eine Checkliste erstellt. Diese zeigt in 5 einfachen Schritten, wie eine Förderung nach dem Qualifizierungschancengesetz möglich ist:

  1. Weiterbildungsbedarf mit einem Personalverantwortlichen besprechen
  2. Weiterbildungsbereitschaft der Mitarbeiter überprüfen
  3. Passende Weiterbildung bei einem zertifizierten Anbieter wählen
  4. Mögliche Förderung mit dem Arbeitgeber-Service abstimmen
  5. Werden alle Voraussetzungen erfüllt, können Arbeitgeber und Arbeitnehmer vom Qualifizierungschancengesetz profitieren

Als erster Ansprechpartner gilt der Arbeitgeber-Service (AGS) der Betriebssitz-Agentur für Arbeit. Handelt es sich um ein Großunternehmen, richtet sich der Ansprechpartner nach der jeweiligen Region:

  • Region Nord-Ost, Standort Berlin: Für Arbeitgeber mit Betriebssitz in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Bremen, Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
  • Region West, Standort Bonn: Für Arbeitgeber mit Betriebssitz in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Hessen
  • Region Süd, Standort München: Für Arbeitgeber mit Betriebssitz in Bayern, Baden-Württemberg

Fazit: Besserer Zugang zu Weiterbildungsangeboten und Weiterbildungsberatung

Mit dem Qualifizierungschancengesetz haben Unternehmen die Chance, ihre Mitarbeiter mit finanzieller Unterstützung fit für den Arbeitsmarkt von morgen zu machen. Einen Anspruch darauf, dass ihr Arbeitgeber von dieser Möglichkeit Gebrauch macht, haben Mitarbeiter zwar nicht. Doch sie haben dank dem neuen Gesetz ein Recht auf Weiterbildungsberatung und können dadurch andere Wege der Weiterbildungsförderung finden.

Bildquellen

  • 30.06.20_wbstraining.de_plakos.de_Das_Qualifizierungschancengesetz_-_F_C3_B6rderung_f_C3_BCr_Arbeitgeber_und_Arbeitnehmer_-_889520_40pixabay.com_-_meeting-2284501_1920: Pixabay

Schreibe einen Kommentar

Wir bringen Lernen auf ein neues Level!

Die Plakos Akademie hat bereits tausende Bewerber erfolgreich auf Einstellungstests vorbereitet und bei der persönlichen Weiterentwicklung unterstützt.