Priming Effekt einfach erklärt mit Beispielen und einem Test

Es ist ein Effekt, der Menschen jeden Tag begegnet und doch kennen ihn nur die wenigsten beim Namen. Beim sogenannten Priming geht es darum, die Denkweise subtil in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen. Neben der Möglichkeit der Manipulation lässt sich das Konzept auch positiv nutzen, um beispielsweise die eigene Motivation und Konzentration zu verbessern.

Beim Priming macht man sich die generelle Arbeitsweise des menschlichen Gehirns zunutze. So legt das Gehirn im Unterbewusstsein verschiedene Wege an, um schneller auf kommende Ereignisse reagieren zu können. Durch einen spezifischen Reiz lassen sich diese Gedächtnisinhalte aktivieren, da sie auf früheren Erfahrungen und Erlebnissen basieren. Häufig geschieht dies in Form eines Wortes, Bildes oder Tons. So sucht das Gehirn beispielsweise spezifische Inhalte, die zu einem gelesenen oder gesprochenen Wort passen. Aufgrund dieser Erfahrungen werden in den Menschen bestimmte Gefühle geweckt, welche wiederum das Handeln und die Einstellung zu einem Thema beeinflussen können.

Das Florida-Experiment

Priming wird schon seit vielen Jahren in der Wissenschaft untersucht. Eines der bekanntesten Experimente führte der Sozialpsychologe John Bargh im Jahr 1996 durch. In seinem Florida-Experiment mussten eine Gruppe der Versuchteilnehmer aus einer Wortreihe Sätze bilden, die typischerweise mit dem hohen Alter assoziiert werden. Anschließend wurden die Versuchspersonen gebeten, durch einen Gang in einen anderen Raum zu gehen. Bargh konnte beobachten, dass die Probanden, die im Vorfeld mit den Altersworten Sätze gebildet hatten, deutlich langsamer liefen, als die Gruppe, die neutrale Worte erhalten hatte. Der Sozialpsychologe führte diese Beobachtung auf das Priming zurück.

Arten von Priming

Das von Bargh genutzte Priming, bei denen Wörter oder Wortgruppen zum Einsatz kommen, um das Verhalten von Menschen zu beeinflussen wird als Semantisches Priming bezeichnet. Dabei handelt es sich aber nur um eine von mehreren bekannten Formen.

Eine weitere Variante ist das Response Priming. In diesem Falle werden die Betroffenen in schneller Abfolge unterschiedlichen Reizen ausgesetzt, auf die sie ohne viel Zeit reagieren müssen. Durch das hohe Tempo ist die Manipulation für die Personen nicht mehr wahrnehmbar. Ein klassisches Beispiel nutzen oft schon Kinder, um sich mit ihren Freunden einen Spaß zu erlauben. In schneller Abfolge stellt man die Fragen, welche Farbe hat Schnee, welche Farbe hat die Wand und welche Farbe haben Wolken. Die Antwort lautet immer Weiß. Dann folgt die Frage, was eine Kuhtrinkt, worauf der Gefragte oft mit Milch antwortet.

Ein zunehmendes Problem in der Gesellschaft resultiert aus einer weiteren Variante des Priming. Das sogenannte Medien Priming wird auch als Filterblase bezeichnet. Durch die Auswahl der Informationsquellen und die jeweilige Wiederholung der Botschaften dieser, verändert sich das Weltbild und das Verhalten der Menschen. Entsprechend kann man starken Einfluss auf die Meinung von Personengruppen haben, wenn man es schafft, dass diese ihre Filterblase möglichst klein halten.

Die vierte Variante wird als Affektives Priming bezeichnet. Hier geht es vor allem darum, durch Reize eine starke emotionale Erinnerung auszulösen. Dies geschieht beispielsweise in Form von Bildern oder Musik. Durch den Reiz wird eine Erinnerung im Gehirn aktiviert, deren Gefühle man nun auf eine neue, eigentlich unabhängige Situation überträgt. Dies lässt sich auch positiv nutzen, wie zum Beispiel durch Motivationsvideos.

Weitere Experimente untersuchen den Priming-Effekt

John Bargh war über die Jahre nicht der einzige Forscher, der sich mit dem Thema Priming beschäftigte. Die Forscher Ad van Kippenberg und Ap Dijksthuis ließen eine Probandengruppe beispielsweise Allgemeinwissensfragen beantworten, wie man sie aus Quizshows im Fernsehen kennt. Vor dem Test erhielt eine Gruppe allerdings die Aufgabe, sich auszumalen, wie das Leben wohl als Professor wäre. Die zweite Gruppe sollte sich dagegen ein Dasein als Fußballrowdy vorstellen. Alle Teilnehmer hatten in Hinblick auf Bildung und Intelligenz die gleichen Voraussetzungen. Trotzdem war die Professorengruppe beim Test erfolgreicher und konnte 23 Fragen beantworten. Die Fußballrowdoys kamen durchschnittlich nur auf 18 richtige Antworten.

In einem weiteren Experiment legte der Sozialpsychologe Fritz Strack seinen Probanden lediglich zwei Fragen vor. So fragte er, wie glücklich die Personen aktuell sind und wie viele Verabredungen sie im vergangenen Monat hatten. Es stellte sich heraus, dass die Reihenfolge der Fragen sich erheblich auf das Ergebnis auswirkte. Sobald Strack zuerst nach den Verabredungen und erst danach nach dem Glück fragte, gab es eine hohe Korrelation zwischen den beiden Punkten. Wer viele Verabredungen hatte, gab oft an, dass er glücklicher war. Wurden die Fragen dagegen andersherum gestellt, konnte diese Verbindung nicht beobachtet werden.

Auf ähnliche Weise untersuchten Forscher die verschiedensten Phänomene und konnten häufig interessante Priming-Effekte beobachten. Ein Experiment fand beispielsweise heraus, dass Personen, die durch einen Bleistift im Mund zu einem Lächeln gezwungen wurden, einen Film lustiger fanden. Bei einem anderen Versuch ergab sich, dass Menschen, die an ein beschämendes Erlebnis erinnert wurden, ein erhöhtes Bedürfnis haben, sich zu waschen

Positives Priming

Auch wenn das Thema Priming häufig im Zusammenhang mit Manipulation betrachtet wird, lässt es sich auch durchaus positiv nutzen. Die angesprochenen Experimente zeigen, dass man durch bestimmte Gedankengänge und auch durch Wortgruppen, die man mit Erfolg verbindet, bessere Ergebnisse erzielen lassen. Dies kann man für sich selbst beispielsweise im Berufsalltag nutzen. Nicht umsonst sind Personen, die an den eigenen Erfolg glauben, auch oft tatsächlich erfolgreicher. Durch Priming kann man sich selbst einen Motivationsschub geben, der einem bei der Lösung von Aufgaben hilft.

Gleichzeitig kann man sich selbst vor negativem Priming schützen. Wer bei Misserfolgen sich selbst Vorwürfe macht, der merkt oft gar nicht, dass er sich selbst durch Wörter wie Idiot oder Ähnliches selbst priment. Statt in diese Falle zu tappen, sollte man sich immer auf positive Aspekte fokussieren, gerade wenn man vor einer neuen Aufgabe steht.


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