Nützlich oder umsonst? Gehirnjogging auf dem Prüfstand

Ob im Rätselheft, auf der Spielekonsole, im Internet oder einfach im Alltag – die Möglichkeiten des Gehirntrainings sind vielfältig. Kinder und Erwachsene, Jung und Alt, nehmen sich die Zeit oder nutzen sie vielmehr, um auf spielerische Weise ihr Gehirn zu fordern und zu fördern. Gehirntraining bzw. Gehirnjogging gilt im Allgemeinen als wichtiges Hilfsmittel, um sowohl im Privat- als auch Berufsleben flexibel zu sein. Doch es erheben auch Kritiker die Stimme.

Untersuchungen noch nicht abgeschlossen

Speziell von der Skepsis verschiedener Wissenschaftler betroffen sind Gehirnjogging-Computerspiele. Insgesamt 70 internationale Psychologen und Neurowissenschaftler haben gemeinsam erklärt, dass sich mit Spielen am PC oder Mobiltelefon positive, langfristige Effekte für die Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Gehirns wissenschaftlich nach wie vor nicht belegen lassen. Sie erwarten weitere Untersuchungen, um eine genaue Aussage ermöglichen zu können.
Wenngleich der Langzeiteffekt von PC-Denkspielen nach Meinung dieser Forschergemeinschaft noch bewiesen werden muss, so erkannten sie den kognitiven Nutzen von Gehirnjogging im Allgemeinen an. Die Mediziner meinten, dass kognitives Training auch bei Computer- oder Video-Games zumindest vorübergehend zur Verbesserung der soeben geübten Fähigkeit führe.

EINIGE KLASSISCHE GEHIRNTRAININGS-SPIELE

SPIEL

fördert u.a.

Memory

Kurzzeitgedächtnis

Kreuzworträtsel

Langzeitgedächtnis

Sudoku

Logik, Arbeits- und Bildgedächtnis

Mahjong

Lern- und Merkfähigkeit/Kombinieren

Schach

Kurzzeitgedächtnis, Kombinieren

  

 

Eine etwas ältere Untersuchung mit drei Probandengruppen hatte ergeben, dass diese nach dem sechswöchigen Konsumieren von Gehirnjogging-Programmen, Videospielen bzw. einfachem Internet-Surfen in diesen geübten Bereichen besser geworden waren. Bei einem Intelligenztest hingegen, den alle Teilnehmer zu Beginn sowie am Ende des Tests absolviert hatten, schlossen sie in etwa gleich ab. Wie Studienleiter Adrian Owen vom Medical Research Council in Cambridge erklärte, ergaben sich darüber hinaus auch keine erkennbaren Fähigkeitsunterschiede zwischen den einzelnen Gruppen.

Die Gegenseite kommt zu Wort

Eine weitere wissenschaftliche Studie setzte diese Erkenntnisse zwar nicht außer Kraft, kam jedoch zu einer im Hinblick auf die Nützlichkeit von Software für die Gehirnleistung durchaus positiveren Aussage: Danach helfen spezielle Programme sowohl Erwachsenen als auch Kindern, insbesondere Grundschülern – ob mit oder ohne ADHS –, ihr Gedächtnis zu trainieren und die Lesefähigkeit zu steigern. Diese auf der Seite der HU Berlin veröffentlichte Studie ergab, dass die eigentliche Hausaufgabe (eine Mathematik-Aufgabe) den Kindern in diesem Fall nicht leichter gefallen und die ständige Verbesserung durch das Gedächtnistraining zeitlich begrenzt war. Die Leseverbesserung stellt außerdem keinen Garant dafür dar, dass das Gehirn dauerhaft leistungsfähig bleibt. Nichtdestotrotz hat sich das Computerprogramm im Zusammenhang mit der Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses der Schüler als nützlich erwiesen. Die zumindest vorübergehende Effizienz von Gehirntrainings und ihre Bedeutung für den besonders schnelllebigen Arbeitsalltag ließen sich auch in anderen Tests ermitteln.



 

Welche Vorteile hat Gehirnjogging?

Herkömmliche Brettspiele, Videospiele oder auch Online-Gehirntrainings können trotz des fragwürdigen Langzeiteffekts unter anderem dazu beitragen, dass sich Alzheimer/Demenz zumindest verzögert. Dies erklären verschiedene Wissenschaftler damit, dass ein ständig aktives Gehirn Eiweißablagerungen an den Nervenzellen, die den Stoffwechsel beeinträchtigen, entgegenwirkt.
Doch auch im Berufsleben können Online-Denkspiele dazu beitragen, die Anpassungsfähigkeit des Gehirns zu stärken und der immer häufiger auftretenden Volkskrankheit Burnout vorzubeugen. Sie sind daher oft Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Stark personalisierte, das bedeutet sich am einzelnen User orientierende Online-Trainingsprogramme werden sogar von einer Krankenkasse erstattet.

Das zentrale Nervensystem ist für vielfältige Aufgaben zuständig, komplex und vereint in sich höchst individuelle Eigenschaften und Fähigkeiten eines jeden Einzelnen. Es lässt sich also weniger gezielt trainieren wie einzelne andere Muskelgruppen. Bedeutsam für das Gehirntraining ist jedoch, dass die Übungen und Aufgaben möglichst mehrere Bereiche des Gehirns gleichzeitig stimulieren und fordern: Konzentration, Merkfähigkeit, Logik oder Wahrnehmung. So bleibt es möglichst lange aktiv.
Für sogenanntes ganzheitliches Training macht sich zum Beispiel der Bundesverband Gedächtnistraining e.V. stark, da es auf spielerische und stressfreie Weise die Gehirnleistung steigert. Das ganzheitliche Training verfolgt laut Verband zwölf Ziele:

  • assoziatives Denken

  • Denkflexibilität

  • Kreativität

  • Formulierung

  • Konzentration

  • Logik

  • Merkfähigkeit

  • Strukturieren

  • Urteilsfähigkeit

  • Wahrnehmung

  • Wortfindung

  • Kombinieren.

Zu den typischen Möglichkeiten des Gehirnjoggings zählen neben den ganz speziell erstellten Online-Programmen einfache Assoziations- oder Suchspiele wie der Fehlerteufel, diverse Memorys oder auch Mitmach-Lieder für die Schulen oder zu Hause. Bei Erwachsenenseminaren setzen Dozenten zur Vorstellungsrunde gern Bewegungsspiele ein, damit sich die Teilnehmer kennenlernen.
Darüber hinaus kann neben Video- oder Online-Spielen bzw. -Aufgaben auch das Erlernen einer weiteren Sprache oder eines Instruments zur Erhaltung der geistigen Fitness beitragen. Prinzipiell kann es nie falsch sein, das Gehirn zu trainieren.

Bilder:

Bild 1: © geralt Pixabay.com – (CC0 1.0)           

Bild 2: © geralt Pixabay.com – (CC0 1.0)           

            

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