Arbeit und Mitbestimmung im Wandel der Zeit

Inhaltsverzeichnis

Arbeit

Die Veränderungen in der Arbeitswelt der letzten drei Jahrzehnte kommen einem Quantensprung gleich. Arbeitsleistungen die früher primär mit Körpereinsatz verrichtet wurden, erfordern heute andere Fähigkeiten. Zudem ist Lernen nicht mehr nur auf eine bestimmte Zeit beschränkt, sondern hat sich zu einer lebenslangen Weiterbildung entwickelt. Unsere Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft muss sich fast täglich neuen Anforderungen stellen, die durch das Zusammenwachsen der Märkte globalen Charakter verliehen bekommen haben. Dabei stehen die Leistungen der individuellen Persönlichkeitsbildung respektive der psychischen Fähigkeiten in den so wichtigen Segmenten wie Menschenführung und Leitung im Sinne des Ganzen im Vordergrund. Eine weitere Schlüsselfunktion neuerlicher Arbeitsanforderungen wird der individuellen Anpassungsfähigkeit zugeschrieben. Das heißt bereit sein, erlerntes Fachwissen immer wieder auf den neuesten Stand zu bringen und die Basisqualifikationen der Methoden-, Sozial- und Selbstkompetenz fortwährend weiter zu entwickeln. Analysefähigkeit und abstraktes Denken haben eine ebenso starke Wertigkeit in der modernen Arbeitswelt bekommen, wie die kooperative Zusammenarbeit und Konfliktfähigkeit respektive die Leistungsbereitschaft, Motivation und Flexibilität (auf folgender Seite werden weitere Soft Skills beschrieben). Die Bandbreite der Veränderungen im Segment Arbeit ist groß. Sie birgt zudem eine immer dramatischer werdende Produktivitätssteigerung, den Wechsel von lokalen zu globalen Märkten und daraus resultierend eine spürbare Reduzierung herkömmlicher Arbeitsplätze. Daran schließt sich nahtlos die Veränderung des Typs ’Arbeiter’ an, der traditionell von den Gewerkschaften vertreten wurde. Heute, im Zeitalter der Globalisierung steht der Arbeiter einem globalen Arbeitsmarkt gegenüber. Umso schwieriger ist es für Gewerkschaften und Betriebsräte geworden, Tarifeinigung im Sinne sozialer Verpflichtungen zu erzielen.

Mitbestimmung

Die Herausforderungen der betrieblichen Mitbestimmung haben sich durch die weltweite Vernetzung durchs Internet vervielfacht. Der gesamtwirtschaftliche Wandel erfordert neue Denkansätze und Neujustierungen der gesetzlichen Grundlagen für Betriebsräte, Jugend- und Auszubildenden- sowie Schwerbehindertenvertretungen (JAV/ SBV). Wissenschaft und Medizin machen es möglich, dass der arbeitende Mensch immer älter wird. Die Anpassung an diese Tatsache ist eine große Aufgabe, nicht nur der Gewerkschaften sondern auch die der Arbeitgeber. Ein sozial abgefederter Wandel kann nur auf der Basis des Betriebsverfassungsgesetzes (BetrVG) erfolgen. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie stellt ganz neue und vorher noch nie definierte Ansprüche an eine modernisierte Mitbestimmung. Die Anzahl erwerbstätiger Frauen nimmt stetig zu. Für eine berufliche Kontinuität betroffener Familien bedarf es daher besonderer Unterstützung. Das gleiche gilt für die Integration respektive Inklusion von Fremdarbeitern und Schwerbehinderten. Hier gilt es im besonderen Maße flexible Problemlösungs- und Gestaltungsansprüche auf eine tarifliche Basis zu stellen. Eine modern gestaltete Mitbestimmung muss immer den Gedanken einer Schutzpolitik beinhalten. Das wiederum setzt besondere Kenntnisse in den Bereichen Verhandlungsgeschick, arbeitsrechtliches und betriebswirtschaftliches Wissen sowie professionelle Kommunikation voraus. Impulse, die auf Betriebs- und Unternehmensebene unabdingbar geworden sind. Nicht nur neu entstandene Beschäftigungsgruppen stellen neue Herausforderungen dar, auch flexible Arbeitszeiten und -formen, sowie die Gleichstellung von Frau und Mann benötigen personalpolitische und sozial ausgewogene Strategien. Zielgenaue Beratungen der Beschäftigten und des Betriebsrates durch die Gewerkschaften sind ein absolutes Muss. Auf der anderen Seite kann ein positives Zusammenspiel von Arbeitgebern auf der einen Seite, und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf der anderen Seite nur funktionieren, wenn im Sinne einer effektiven Gemeinschaft auch die Arbeitgeber offen für eine Wandlung im Wandel sind.

Globalisierung wie wir sie gerade erleben kommt der dramatischen Umgestaltung gleich, wie die nationale Industrialisierung vor knapp zweihundert Jahren. Sie lebt aber auch von der Chance einer Neugestaltung der so hart erkämpften Mitbestimmung in Unternehmen und Betrieben. Dabei müssen die Interessen aller Lohnarbeiter berücksichtigt werden. Das betrifft arbeitende Frauen und Männer, Fremdarbeiter, Jugendliche und Schwerbehinderte im besonderen Maße.

Wie groß das Potenzial einer Neugestaltung ist, hängt maßgeblich von allen Beteiligten ab. Der Satz, dass Fortschritt nicht aufzuhalten ist, findet auch hier seine Berechtigung! Nur wer Fortschritt mit der richtigen Einstellung begegnet, ebnet neue Wege für die Zukunft. Und auch die funktioniert nur auf der Basis sozialen Zusammenwirkens.

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